Ranch Riding: Die Arbeitsprüfung unter den Westernreitdisziplinen

Ranch Riding Danny Reinkehr und BA Smart Dreams

Ranch Riding gehört zu den Disziplinen, die in den letzten Jahren am stärksten gewachsen sind. Kein Wunder: Hier zählt nicht das langsamste Pferd mit dem tiefsten Kopf, sondern ein vielseitiges, arbeitswilliges Pferd mit klarer Vorwärtsbewegung. Die Klasse orientiert sich am Bild des Ranchpferdes, das draußen im Gelände seinen Job macht. Genau das soll es auch im Pattern zeigen.

In diesem Artikel bekommst du einen Überblick über Ziel, Manöver, Bewertung und Ausrüstung nach dem EWU Regelwerk.

Was ist das Ziel der Ranch Riding?

Die Klasse soll die Vielseitigkeit, den Arbeitswillen und die Vorwärtsbewegung im Arbeitstempo des Ranchpferdes widerspiegeln. Das Pferd soll den Anforderungen entsprechen, die ein Ranchpferd draußen im Gelände erfüllen muss: aufmerksam, durchlässig, kontrollierbar und mit raumgreifenden Bewegungen unterwegs.

Wichtig zum Verständnis: Ranch Riding ist keine Pleasure in Arbeitsoptik. Raumgreifende Bewegungen mit deutlicher Vorwärtstendenz sind ein Grundelement der Disziplin. Auch Stops müssen keine Sliding Stops sein. Es geht um ein funktionales, williges Pferd, nicht um Show-Effekte.

Die Bewertungskriterien

Die Richter bewerten nach drei großen Bereichen:

Korrektheit: Dazu gehören der Takt der Gangarten (4-Takt im Walk, 2-Takt im Trot, 3-Takt im Lope), Vorwärtsbewegung bei kontrollierter Geschwindigkeit, Willigkeit ohne Widersetzlichkeit, Kontrolle, Losgelassenheit und Übergänge am geforderten Punkt.

Qualität: Hier zählen gleichbleibendes Tempo und Rhythmus, Weichheit und Balance in der Ausführung, weicher Kontakt zwischen Pferd und Reiter, punktgenaue und zügig aufeinander folgende Übergänge sowie die Qualität der Gangarten und der Galoppwechsel, egal ob einfach oder fliegend.

Schwierigkeitsgrad: Deutliche Unterschiede innerhalb der Gangarten, anspruchsvolle Übergänge und Wechsel sowie eine flüssige, weiche Ausführung der Manöver werten den Score auf. Korrektheit ist dabei immer vorausgesetzt.

Großer Wert liegt auf den punktgenauen Übergängen zwischen und innerhalb der Gangarten. Gut zu wissen: Übergänge zählen immer zum nächsten Manöver.

Pflichtmanöver: Das muss jedes Pattern enthalten

Für Q- und M-Klassen müssen die vorgegebenen Pattern der EWU benutzt werden. Diese stehen für unterschiedliche Leistungsklassen, Pferdealter und Platzgrößen zur Verfügung. Die vorgeschriebenen Manöver sind:

  • Walk, Trot (kein Jog) und Lope auf beiden Händen
  • Extended Trot und Extended Lope auf mindestens einer Hand
  • Stop und Back up

Wahlmanöver: Hier kommt Abwechslung ins Pattern

Zusätzlich müssen mindestens drei weitere Manöver ausgewählt werden, abhängig von der Leistungsklasse. Zur Auswahl stehen unter anderem:

  • Sidepass
  • 1 bis 4 Turns nach einer oder beiden Seiten
  • Galoppwechsel, einfach oder fliegend
  • Überreiten von Stangen im Walk, Trot oder Lope
  • Slalom im Walk oder Trot
  • Two Track
  • Überqueren einer Holzbrücke
  • Öffnen, Durchreiten und Schließen eines Tores
  • Stangenquadrat
  • Weitere Hindernisse, die bei einem Geländeritt vorkommen können, sofern sie dem Regelbuch entsprechen und vom Richter zugelassen sind

Für die Hindernisse gelten feste Maße. Ein paar Beispiele: Das Tor braucht eine Öffnungsbreite von mindestens 250 cm, Walk-over-Stangen liegen 70 bis 80 cm auseinander, Trot over 105 bis 120 cm und Lope over 210 bis 240 cm. Die Brücke muss mindestens 90 cm breit und 250 cm lang sein.

Nicht alles ist erlaubt: Verbotene Hindernisse sind unter anderem Reifen, PVC-Rohre, Wippen oder bewegliche Brücken, Wassergräben und Bäche, Flammen, Trockeneis und Feuerlöscher. Auch Rückwärtsreiten über Gegenstände ist untersagt, genauso wie Metallböden oder rutschige Böden beim Überreiten von Planen.

So funktioniert die Bewertung

Die Basis der Punktvergabe liegt bei 70 Punkten. Jedes einzelne Manöver wird in halben Punktschritten bewertet:

  • Minus 1 ½ (extrem schlecht) bis minus ½ (schlecht)
  • 0 für ein korrektes Manöver
  • Plus ½ (gut) bis plus 1 ½ (ausgezeichnet)

Ein Plus-½-Score setzt ein korrektes, qualitätsvolles Manöver voraus. Für plus 1 oder plus 1 ½ muss zusätzlich ein hoher Schwierigkeitsgrad gezeigt werden. Die Scores werden unabhängig von Strafpunkten vergeben. Pluspunkte erhalten Pferd-Reiter-Kombinationen, die sich in den Manövern willig, aufmerksam, korrekt und effizient zeigen.

Penalties: Wo Punkte verloren gehen

Strafpunkte gibt es in den Stufen 1, 3 und 5. Ein Penalty 1 wird zum Beispiel fällig bei zu langsamem Tempo pro Gangart, wenn der Kopf während mehr als 50 Prozent eines Manövers hinter der Senkrechten ist, bei kurzen Gangartunterbrechungen oder wenn eine Stange nicht mit allen vier Hufen überquert wird.

Penalty 3 gibt es unter anderem für Ausfallen im Lope, mehr als 2 Sprünge im falschen Lope, zu langen durchhängenden Zügel, mehr als 6 Trabtritte bei einem einfachen Galoppwechsel oder einen Galoppwechsel über Schritt.

Penalty 5 wird fällig bei Verweigern, schwerwiegendem Ungehorsam wie Ausschlagen, Bocken oder Steigen, Einsatz der Sporen vor dem Gurt, Fallenlassen eines zu transportierenden Gegenstandes oder wenn ein Hindernis nicht vollendet wird.

Interessant: Das Berühren von Stangen sowie Über- oder Unterdrehen bis zu 90 Grad im Turn gibt keinen Penalty, fließt aber in den Score ein.

0-Score und DQ

Ein 0-Score droht unter anderem bei falscher Zügelführung oder Wechsel der Zügelhand (außer am Tor), Off Pattern, Auslassen oder Hinzufügen eines Manövers, Sturz von Reiter oder Pferd, der dritten Verweigerung im gesamten Pattern oder Überdrehen von mehr als 90 Grad im Turn. Die Details regeln § 154 und § 155 des EWU Regelbuchs.

Ausrüstung: Ranchy statt glamourös

Die Ausrüstung soll dem Pferdealter und der Leistungsklasse entsprechen. Erlaubt sind Arbeitssattel oder Showsattel, Gamaschen und Bandagen sowie Vorderzeug. Auch in der LK 5 wird Westernausrüstung geritten.

Und jetzt kommt der Punkt, der Ranch Riding von vielen anderen Klassen unterscheidet: Eingeflochtene Mähne, Schweiftoupet, geblackte Hufe und Showsättel mit Silber sind zwar erlaubt, aber ausdrücklich nicht erwünscht. Der Look soll zum Arbeitscharakter der Klasse passen. Jeans, Chaps, Chinks, Rope und Tapaderos sind erlaubt, die Hosen dürfen in den Boots getragen werden.

Die amerikanische Richterin Patty Carter bringt es auf den Punkt: Saubere, gut passende Arbeitsausrüstung für das Pferd, dazu ein gut geformter Hut, Bluse, Jeans und Stiefel für den Reiter. Chaps sind nicht erforderlich, mehr braucht es nicht.

Ein paar praktische Erleichterungen gibt es außerdem: Leichttraben und leichter Sitz sind erlaubt, in den Verstärkungen darf das Sattelhorn festgehalten werden, Naturstangen sind zugelassen und Galoppwechsel können immer fliegend oder einfach geritten werden.

Fazit: Eine Klasse für echte Allrounder

Ranch Riding belohnt genau das, was ein gut ausgebildetes Westernpferd ausmacht: Vorwärtsbewegung, Durchlässigkeit, Gelassenheit an Hindernissen und punktgenaue Übergänge. Wer sein Pferd vielseitig arbeitet und Wert auf korrekte Grundlagen legt, findet hier eine Disziplin, in der genau diese Arbeit sichtbar wird. Und das ganz ohne Silbersattel.

Quelle: EWU Regelwerk und Richterschulung Ranch Riding (Erste Westernreiter Union Deutschland e.V., überarbeitet 2026), insbesondere § 154 und § 155.




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