Westernreiten: Online-Unterricht im eigenen Stall

Du möchtest regelmäßig Unterricht nehmen, aber dein Wunschtrainer wohnt zu weit entfernt? Oder du wünschst dir zwischen zwei Kursen Unterstützung im Training? Online-Unterricht im Westernreiten kann eine Möglichkeit sein, dich und dein Pferd im eigenen Stall begleiten zu lassen.

Dein Trainer schaut über eine Videoverbindung zu und gibt dir direkt Rückmeldung. Du reitest in deiner gewohnten Umgebung, kannst Hinweise unmittelbar ausprobieren und Fragen während des Trainings klären. Damit das gut funktioniert, lohnt sich allerdings ein Blick auf die technischen Voraussetzungen.

Wie funktioniert Online-Unterricht beim Westernreiten?

Beim Live-Unterricht wird dein Ritt per Smartphone oder Tablet übertragen. Dein Trainer verfolgt das Training am Bildschirm und spricht mit dir über die Audioverbindung. So könnt ihr gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten, Übergänge wiederholen oder einzelne Abläufe genauer anschauen.

Eine zweite Person kann am Rand stehen und filmen. Wenn niemand mitkommen kann, kommen auch geeignete Systeme infrage, die Pferd und Reiter automatisch im Bild halten.

Welche Lösung sinnvoll ist, solltest du vorab mit deinem Trainer besprechen. Entscheidend ist, dass du seine Hinweise während des Reitens gut verstehst und er euch ausreichend deutlich sehen kann.

Internet am Stall: WLAN, mobile Daten oder Hotspot?

Nicht jeder Stall hat WLAN, das bis in die Reithalle oder auf den Außenplatz reicht. Eine Alternative ist die mobile Datenverbindung deines Smartphones. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob es Stall-WLAN gibt, sondern wie gut der Mobilfunkempfang direkt am Trainingsort ist.

Falls dein Aufnahmegerät keine eigene mobile Internetverbindung hat, kannst du beispielsweise ein zweites Smartphone als mobilen Hotspot nutzen. Das stellt dem Aufnahmegerät über WLAN seine mobile Datenverbindung zur Verfügung. Auch ein mobiler LTE- oder 5G-Router mit passender SIM-Karte kann infrage kommen.

Ein Hotspot allein behebt allerdings keinen schlechten Mobilfunkempfang. Er braucht selbst eine ausreichend stabile Verbindung. Manchmal lohnt es sich, ein anderes Mobilfunknetz zu testen oder das Hotspot-Gerät an einem geschützten Standort mit besserem Empfang aufzustellen, etwa in Fensternähe. Die WLAN-Verbindung zum Aufnahmegerät muss dabei weiterhin zuverlässig funktionieren.

Teste vor der ersten Stunde einen Videoanruf unter möglichst ähnlichen Bedingungen. Für deinen Trainer zählt vor allem, ob dein Bild flüssig und deutlich ankommt. Denke außerdem an ausreichend Datenvolumen und geladene Akkus.

Ohne zweite Person filmen: beispielsweise mit Pivo

Wenn niemand zum Filmen mitkommen kann, können Systeme wie Pivo eine Möglichkeit sein. Dabei sitzt dein Smartphone auf einer motorisierten Halterung. Die passende App erkennt das Pferd im Bild und dreht die Halterung mit, um euch während der Bewegung zu verfolgen.

Für Live-Unterricht muss die Kombination aus Gerät, App und Unterrichtsfunktion geeignet sein. Kläre deshalb vorher mit deinem Trainer, welches System ihr verwenden möchtet.

Die automatische Verfolgung ist allerdings nicht unter allen Bedingungen gleich zuverlässig. Wenn mehrere Pferde gleichzeitig in der Halle oder auf dem Platz unterwegs sind, kann es je nach System und Einstellung zu Schwierigkeiten kommen. Besonders wenn ein anderes Pferd zwischen euch und die Kamera gerät, kann die Verfolgung unterbrochen werden oder auf das andere Pferd wechseln.

Plane deine ersten Versuche deshalb möglichst zu einer ruhigeren Zeit. So kannst du ausprobieren, wie zuverlässig euch das System erfasst und welche Kameraposition gut funktioniert.

Gute Beleuchtung hilft deinem Trainer, mehr zu erkennen

Aus meiner Erfahrung lohnt es sich, bei der Terminplanung auch auf die Lichtverhältnisse zu achten. In einer dunklen Reithalle kann die Bildqualität deutlich leiden. Bewegungen und feine Details sind dann auf dem Bildschirm schlechter zu erkennen.

Besonders bei einem dunklen Pferd vor einem dunklen Hintergrund und größerer Entfernung zur Kamera wird die Beurteilung schwieriger. Das Pferd ist vielleicht noch im Bild, aber Beinbewegungen, Hilfengebung oder deine Sitzposition lassen sich weniger deutlich erkennen.

Wenn du zeitlich flexibel bist, wähle möglichst einen Termin mit guten Lichtverhältnissen. In manchen Hallen hilft das Tageslicht, in anderen ist eine gleichmäßige Hallenbeleuchtung entscheidend. Auf dem Außenplatz solltest du starkes Gegenlicht vermeiden, damit Pferd und Reiter nicht nur als dunkle Silhouette erscheinen.

Eine kurze Probeaufnahme hilft: Reite auch in den weiter entfernten Teil der Halle und schau dir anschließend an, wie viel dort tatsächlich noch zu erkennen ist.

Die richtige Kameraposition für deinen Online-Unterricht

Ein sehr weiter Bildausschnitt zeigt zwar viel von der Halle, lässt Pferd und Reiter aber möglicherweise winzig erscheinen. Für Unterricht ist entscheidend, dass ihr ausreichend groß und vollständig im Bild bleibt.

Stelle das Smartphone stabil und sicher auf, reinige vorher die Linse und prüfe den Bildausschnitt. Beine und Hufe des Pferdes sollten ebenso sichtbar sein wie dein Oberkörper. Besprich mit deinem Trainer, ob ihr für bestimmte Aufgaben zunächst einen begrenzten Bereich der Halle nutzen solltet.

Achte darauf, dass Stativ und Technik weder den Hufschlag noch Durchgänge blockieren und genügend Abstand zu den Pferden haben.

Wenn eine zweite Person filmt, hilft eine kurze Absprache: Sie sollte euch möglichst ruhig verfolgen, ausreichend Platz in Bewegungsrichtung lassen und nicht ständig zwischen Nahaufnahme und weitem Bild wechseln.

Ton und Technik vor dem Aufsteigen testen

Auch ein gutes Bild hilft wenig, wenn du die Hinweise deines Trainers nicht verstehst. Ein sicher sitzender Kopfhörer kann die Verständigung erleichtern. Du solltest dabei weiterhin deine Umgebung wahrnehmen können.

Teste den Ton nicht nur im Stand, sondern auch während der Bewegung. Wind auf dem Außenplatz, Hallengeräusche und die Entfernung zwischen Smartphone und Kopfhörer können die Verständigung beeinflussen.

Plane vor der ersten Online-Reitstunde etwas zusätzliche Zeit für die Technik ein. Wenn Bild, Ton und Verbindung bereits funktionieren, könnt ihr euch im Unterricht direkt auf dich und dein Pferd konzentrieren.

Für wen eignet sich Online-Unterricht im Westernreiten?

Online-Unterricht kann besonders dann passen, wenn du dein Pferd selbstständig und sicher reiten kannst und dir fachliche Begleitung für das weitere Training wünschst.

Auch zwischen Präsenzterminen kann er eine Ergänzung sein. Ihr könnt besprochene Übungen wieder aufgreifen, den aktuellen Stand anschauen und klären, welcher nächste Schritt sinnvoll ist. Gleichzeitig entfallen für diesen Termin die Anfahrt des Trainers oder der Transport deines Pferdes.

Für die ersten Reiterfahrungen ist Unterricht vor Ort die bessere Grundlage. Ebenso gibt es Situationen, in denen der Trainer unmittelbar helfen oder das Pferd aus unterschiedlichen Blickwinkeln beurteilen muss.

Über eine Kamera ist außerdem nur ein Ausschnitt sichtbar. Feine Hilfen, kleine Veränderungen im Bewegungsablauf oder Situationen außerhalb des Bildes können übersehen werden. Ob Online-Unterricht zu euch und eurem aktuellen Thema passt, sollte deshalb individuell besprochen werden.

Live-Unterricht, Videoanalyse oder Videokurs?

Wer sich mit Westernreiten online lernen beschäftigt, begegnet unterschiedlichen Angeboten. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wann und wie du Rückmeldung bekommst.

Live-Unterricht: direkt ausprobieren und nachfragen

Beim Live-Unterricht erhältst du Rückmeldung während des Reitens und kannst unmittelbar darauf reagieren. Dein Trainer sieht, wie ihr einen Hinweis umsetzt, und kann die Aufgabe bei Bedarf anpassen.

Online-Unterricht im Westernreiten bietet beispielsweise Philipp Dammann an. So kannst du dich auch dann von ihm im Training begleiten lassen, wenn du weiter entfernt wohnst. Welche technischen Voraussetzungen dafür nötig sind und wie eine Unterrichtseinheit abläuft, besprichst du am besten direkt mit ihm.

Videoanalyse: den eigenen Ritt in Ruhe besprechen

Für eine Videoanalyse zeichnest du deinen Ritt auf und lässt ihn anschließend besprechen. Das kann hilfreich sein, wenn eine stabile Live-Verbindung fehlt oder du bestimmte Situationen genauer nachvollziehen möchtest.

Kläre vorher, welche Perspektiven und Sequenzen dein Trainer benötigt. Eine Aufnahme lässt sich später bei besserer Internetverbindung hochladen und gemeinsam auswerten.

Videokurs: Wissen im eigenen Tempo vertiefen

Ein Videokurs vermittelt vorbereitete Inhalte, die du unabhängig von einem festen Unterrichtstermin anschauen kannst. Du kannst Erklärungen pausieren, einzelne Schritte wiederholen und dich gezielt mit einem Thema beschäftigen. Persönliche Korrekturen zu deinem aktuellen Ritt sind dabei nicht Bestandteil des Formats.

Auch Themen rund um das Westernpferd lassen sich auf diese Weise vertiefen. Im Wiseevo-Videokurs zum Turnier-Grooming mit Philipp Dammann geht es beispielsweise um die Vorbereitung und Pflege für den Turnierauftritt.

Die Angebote können sich sinnvoll ergänzen: Wissen in Ruhe erarbeiten, im Stall ausprobieren und individuelle Fragen im Unterricht aufgreifen.

So nimmst du etwas aus der Online-Reitstunde mit

Notiere dir nach der Stunde, welche Hinweise euch geholfen haben und woran du bis zum nächsten Termin arbeiten möchtest. Besonders hilfreich sind drei Fragen:

  • Was hat heute besser funktioniert?
  • Welcher Hinweis hat dabei den Unterschied gemacht?
  • Welche konkrete Aufgabe nehme ich ins nächste Training mit?

Eine klar umrissene Aufgabe lässt sich im Alltag oft besser umsetzen als viele neue Übungen auf einmal. Besprich deshalb zum Abschluss, worauf du beim selbstständigen Üben achten sollst.

Mit einer zuverlässigen Verbindung, einem gut erkennbaren Bild und passenden Aufgaben kann Online-Unterricht dein Westernreittraining sinnvoll ergänzen. Du bekommst persönliche Rückmeldung und einen nächsten Schritt, der zu dir und deinem Pferd passt.




Das könnte dich auch interessieren

Fell bürsten Flat coated Retriver

Flat Coated Retriever: Fell und Fellpflege im Alltag

Flat-Coated Retriever freudig im Wasser

Flat Coated Retriever: Temperament, Charakter und Wesen

Wasserstoffperoxid bei Strahlfäule

Wasserstoffperoxid bei Strahlfäule: Warum starkes Schäumen nicht automatisch starke Wirkung bedeutet