Klein, kompakt und kräftig bemuskelt: So stellen sich viele Menschen ein Quarter Horse vor. Wer auf einem Westernturnier verschiedene Pferde nebeneinander sieht, merkt allerdings schnell, wie unterschiedlich die Rasse aussehen kann.
Neben eher kleinen, wendigen Pferden stehen große, langbeinige Vertreter. Doch welche Größe ist für ein Quarter Horse typisch? Und warum gibt es innerhalb derselben Rasse solche Unterschiede?
Wie groß ist ein Quarter Horse?
Die Deutsche Quarter Horse Association nennt in ihrer Rassebeschreibung ein Stockmaß von ungefähr 1,45 bis 1,65 Metern. Gemeint ist die Höhe am Widerrist. Diese Spanne beschreibt die typische Größenordnung, nicht einen statistisch ermittelten Durchschnitt. Quelle: DQHA-Rassebeschreibung
Die Angabe ist außerdem keine feste Unter- oder Obergrenze für jedes einzelne Pferd. Es gibt kleinere Quarter Horses und ebenso deutlich größere Vertreter.
Für die Frage nach der Größe lohnt sich deshalb ein genauerer Blick auf das einzelne Pferd und seine Zuchtrichtung.
Was bedeutet Stockmaß?
Das Stockmaß beschreibt die senkrechte Höhe vom Boden bis zum höchsten Punkt des Widerrists. Der Widerrist liegt am Übergang zwischen Hals und Rücken.
Gemessen wird also weder bis zum Kopf noch bis zur höchsten Stelle der Kruppe.
Für eine möglichst zuverlässige Messung sollte das Pferd ruhig auf einem ebenen, festen Untergrund stehen. Ein geeigneter Messstock wird senkrecht neben dem Pferd aufgestellt. Sein waagerechter Arm liegt am höchsten Punkt des Widerrists an. Der Kopf bleibt in einer natürlichen Position. Diese Grundsätze finden sich auch in den Messhinweisen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Quelle: FN-Messhinweise
Bei Größenangaben solltest du außerdem darauf achten, ob das Pferd mit oder ohne Hufeisen gemessen wurde. Für einen direkten Vergleich sind möglichst gleiche Messbedingungen sinnvoll.
Warum sind Quarter Horses unterschiedlich groß?
Das Quarter Horse wird für verschiedene Aufgaben gezüchtet. Entsprechend unterscheiden sich nicht nur Stockmaß und Körperbau, sondern auch Bewegungsabläufe und sportliche Schwerpunkte.
Ein Pferd für die Arbeit am Rind muss andere Anforderungen erfüllen als ein Pferd für Hunter under Saddle. Deshalb lässt sich die gesamte Rasse nicht auf einen einzigen Körperbau reduzieren.
Kompakte Pferde im Cutting
Im Cutting begegnet man häufig eher kleinen, kompakten Pferden. Die AQHA beschreibt in einem Fachbeitrag für diese Disziplin eine durchschnittliche Größe von etwa 14.3 hands. Das entspricht rund 1,50 Metern. Diese Angabe bezieht sich auf Cuttingpferde, nicht auf alle Quarter Horses. Quelle: AQHA – Young Horses and Cutting
Ein kleines Stockmaß ist hier also keineswegs ungewöhnlich. Es sagt für sich genommen aber noch nichts darüber aus, wie gut ein Pferd eine bestimmte Aufgabe bewältigen kann.
Große Quarter Horses im Hunter- und Allaround-Bereich
Am anderen Ende der Größenspanne stehen großrahmige Quarter Horses. Auch Pferde um 1,70 Meter kommen vor. Ein entsprechendes Beispiel findet sich etwa im DQHA-Hengstangebot für den Western-Allaround- und Hunter-Bereich. Quelle: DQHA-Hengstangebot
Die oft genannte Grenze von 1,65 Metern darf deshalb nicht als größtmögliches Stockmaß verstanden werden.
Wichtig ist allerdings: Eine Zuchtrichtung garantiert keine bestimmte Größe. Nicht jedes Hunterpferd ist besonders groß. Ebenso wenig lässt sich ein Pferd allein anhand seines Stockmaßes einer Disziplin zuordnen.
Warum wirken manche Quarter Horses größer, als sie sind?
Stockmaß und Gesamteindruck sind zwei unterschiedliche Dinge.
Ein Pferd mit breitem Brustkorb, kräftiger Hinterhand und ausgeprägter Bemuskelung kann sehr mächtig wirken, obwohl es am Widerrist vergleichsweise klein ist. Ein höheres, schmaler gebautes Pferd wirkt daneben möglicherweise leichter.
Die DQHA beschreibt für das Quarter Horse unter anderem einen kräftigen Rücken, ausreichend Brustbreite und eine deutliche Bemuskelung der Hinterhand. Diese Merkmale prägen den typischen Eindruck der Rasse. Quelle: DQHA-Rassebeschreibung
Deshalb können sich zwei Pferde mit identischem Stockmaß sowohl optisch als auch beim Reiten deutlich unterscheiden.
Sind große Quarter Horses automatisch Appendix-Pferde?
Nein. „Appendix“ ist keine Größenbezeichnung.
Der Begriff steht im Zusammenhang mit der Registrierung und Abstammung bei der AQHA. Unter anderem werden Nachkommen aus der anerkannten Anpaarung eines American Quarter Horses mit einem Englischen Vollblut zunächst im Appendix-Register geführt.
Ein großes, langbeiniges Pferd ist deshalb nicht automatisch ein Appendix Quarter Horse. Umgekehrt sagt eine Appendix-Registrierung kein bestimmtes Endmaß voraus.
Wenn du die Abstammung und Registrierung eines Pferdes beurteilen möchtest, sind seine Papiere aussagekräftiger als sein äußeres Erscheinungsbild
Mehr dazu auch im Blogbeitrag über das Appendix.
Größenangaben in „hands“ verstehen
In amerikanischen Verkaufsanzeigen und Pferdebeschreibungen wird die Größe häufig in „hands“ angegeben. Die Abkürzung lautet oft „hh“.
Eine Hand entspricht vier Zoll, also 10,16 Zentimetern. Gemessen wird auch hier am Widerrist. Quelle: Washington State University – Beginning Horsemanship
Wichtig: Die Zahl hinter dem Punkt bezeichnet zusätzliche Zoll. 15.2 hands bedeutet 15 Hände plus zwei Zoll, nicht 15,2 Hände im Dezimalsystem.
| Angabe in hands | Stockmaß, gerundet |
|---|---|
| 14.2 hh | 147,3 cm |
| 15.0 hh | 152,4 cm |
| 15.2 hh | 157,5 cm |
| 16.0 hh | 162,6 cm |
| 16.2 hh | 167,6 cm |
| 17.0 hh | 172,7 cm |
Ein Pferd mit 16.2 hh ist somit ungefähr 1,68 Meter groß.
Welche Quarter-Horse-Größe passt zu welchem Reiter?
Eine feste Zuordnung nach dem Muster „Bei dieser Körpergröße brauchst du dieses Stockmaß“ greift zu kurz.
Neben der Höhe spielt die Breite des Pferdekörpers eine Rolle. Ein breiterer Rumpf nimmt mehr Beinlänge auf. Deshalb kann sich ein etwas kleineres, kräftiger gebautes Pferd für einen großen Reiter passender anfühlen als ein höheres, schmales Pferd.
Auch die Proportionen des Reiters, die Sattelpassform und die gemeinsame Balance müssen berücksichtigt werden. Quelle: British Horse Society – Rider Size
Ebenso wichtig: Ein kräftiges Quarter Horse ist nicht automatisch ein Gewichtsträger. Aus dem Stockmaß allein lässt sich keine geeignete Traglast ableiten. Dafür müssen unter anderem Körperbau, Gesundheitszustand, Muskulatur, Trainingszustand sowie Reiter und Ausrüstung gemeinsam betrachtet werden.
Bei Unsicherheit helfen eine fachkundige Einschätzung durch Trainer, Sattelfachleute und gegebenenfalls den Tierarzt.
Ist ein größeres Quarter Horse automatisch besser?
Nein. Zusätzliche Zentimeter sind kein Qualitätsmerkmal an sich.
Für die sportliche Eignung ist entscheidend, wie der Körper insgesamt aufgebaut ist und wie sich das Pferd bewegt. Die Proportionen, Stellung der Gliedmaßen und Balance beeinflussen seine Möglichkeiten deutlich stärker, als eine einzelne Höhenangabe erkennen lässt. Quelle: University of Minnesota – Conformation of the Horse
Für die Pferdesuche bedeutet das: Das gewünschte Stockmaß kann eine Orientierung sein. Es sollte aber nicht den Blick auf Ausbildung, Charakter, Bewegungsqualität und die tatsächliche Passung zwischen Pferd und Reiter verdrängen.
Häufige Fragen zur Größe des Quarter Horses
Wie groß ist ein ausgewachsenes Quarter Horse?
Die DQHA nennt ungefähr 1,45 bis 1,65 Meter Stockmaß als rassetypische Größenordnung. Einzelne Pferde können darunter oder darüber liegen.
Kann ein Quarter Horse 1,70 Meter groß werden?
Ja. Auch Quarter Horses mit einem Stockmaß um 1,70 Meter sind dokumentiert. Die Rasse umfasst nicht ausschließlich kleine, kompakte Pferde.
Wie groß sind 15.2 hands?
15.2 hands entsprechen 157,48 Zentimetern. Gerundet ist das ein Stockmaß von etwa 1,57 Metern.
Fazit: Beim Quarter Horse zählt mehr als das Stockmaß
Das Quarter Horse lässt sich nicht auf eine einzige Größe festlegen. Vom kompakten Cuttingpferd bis zum großrahmigen Hunter gibt es deutliche Unterschiede.
Das Stockmaß hilft bei der ersten Einordnung. Ob ein Pferd zu dir und deinen Zielen passt, zeigt sich aber erst, wenn du seinen Körperbau, seine Bewegungen, seine Ausbildung und eure gemeinsame Balance betrachtest.