Es gibt Hunde, die werden älter. Und dann gibt es den Flat Coated Retriever. Selbst mit grauer Schnauze wirkt dieser schwarze oder leberbraune Charmeur oft noch wie ein Junghund: verspielt, neugierig und immer mit wedelnder Rute unterwegs.
Wer einen sportlichen, menschenbezogenen Familienhund sucht, gerne draußen aktiv ist und einen Hund mit viel Lebensfreude an seiner Seite haben möchte, sollte diese Rasse unbedingt kennenlernen

Herkunft
Der Flat Coated Retriever entstand im 19. Jahrhundert in England, als Jäger und Wildhüter einen zuverlässigen Apportierhund „für die Arbeit nach dem Schuss“ brauchten. Seine Wurzeln reichen zurück zum St.-John’s-Hund aus Neufundland – einem hervorragenden Schwimmer, der als Stammvater aller Retriever gilt. Durch Einkreuzungen von Settern, Sheepdogs und Water-Spaniels formte sich nach und nach der elegante, hochbeinige Hund, den wir heute kennen.
Beim englischen Adel war der „Flat“ lange der beliebteste Retriever überhaupt. Nach dem Aufstieg von Labrador und Golden Retriever geriet er allerdings ins Hintertreffen und wurde phasenweise sogar vom Aussterben bedroht. 1954 erfolgte die offizielle Anerkennung durch die FCI, seit 1980 wird die Rasse in Deutschland vom Deutschen Retriever Club (DRC) im VDH betreut. Bis heute ist der Flat Coated Retriever ein Geheimtipp und gilt hierzulande nach wie vor als vergleichsweise seltene Rasse.
Aussehen: elegant, sportlich, glänzend
Der Flat Coated Retriever ist der schlankste und hochbeinigste Retriever. Er ist kräftig gebaut, wirkt dabei aber nie schwerfällig, eher sportlich und elegant. Sein Fell ist mittellang, glatt bis leicht gewellt, glänzt seidig und liegt eng an. Beine und Rute sind gut befedert.
Erlaubt sind nur zwei Farben: schwarz, das deutlich häufiger vorkommt, und leberbraun. Ab und zu fallen gelbe Welpen, die aber nicht zur Zucht zugelassen werden. Den sanften, klugen Ausdruck bekommt der Flat durch seine mittelgroßen, dunkel- bis haselnussbraunen Augen und den langen, flachen Kopf mit nur leichtem, kaum betontem Stop.

Charakter & Wesen: der Peter Pan unter den Hunden
Wenn ein Wort den Flat Coated Retriever beschreibt, dann „lebensfroh“. Diese Hunde lieben Menschen, haben die Rute praktisch im Dauereinsatz und bleiben bis ins Alter verspielt wie Welpen. Ihr ausgeprägter „Will to please“ macht sie lernfreudig und kooperativ – sie arbeiten einfach gern mit ihrem Menschen.
Was die Rasse außerdem ausmacht:
- Freundlich und offen, zu Menschen wie zu anderen Hunden
- Sehr kinderlieb, aber temperamentvoll – bei kleinen Kindern sollte man deshalb aufpassen
- Sensibel: In lauter, hektischer Umgebung fühlt er sich schnell unwohl
- Eine Portion britischer Dickkopf – wenn er genug hat, hat er genug
- Wachsam genug, um Besuch anzukündigen, aber kein scharfer Wachhund
Diese Mischung aus Arbeitsfreude und Herzlichkeit macht ihn zu einem tollen Begleiter – wenn man mit seinem Temperament umgehen kann.
Gute Faktenlage. Hier der überarbeitete Pflege-Abschnitt mit ausführlichem Trimm-Teil – nüchtern formuliert und mit einer Brücke zum kommenden Trimmkurs:
Pflege vom Flat Coated Retriever
Das mittellange Fell ist etwas pflegeintensiver als beim kurzhaarigen Labrador, aber kein Drama. Ein- bis zweimal pro Woche bürsten reicht meist aus, um Glanz und Struktur zu erhalten. Häufiger gefragt ist die Bürste im Fellwechsel – der zweimal im Jahr ansteht – oder wenn der Flat ausgiebig im Unterholz unterwegs war. Baden muss man ihn nur selten; meist erledigt er das selbst, indem er in den nächsten See oder Bach springt.
Beim Bürsten gilt: Finger weg von Furminator und scharfem Coat King. Diese Werkzeuge schneiden das Deckhaar an, es wird stumpf und verliert seinen Glanz – beim langhaarigen Flat genau das Falsche. Besser sind eine grobe und eine feine Bürste sowie ein Metallkamm, mit dem sich die alte Unterwolle ausbürsten (auch „Entwollen“ oder „Carden“ genannt) lässt.
Trimmen: muss man, kann man, oder lieber lassen?
Für den Alltag muss ein Flat nicht getrimmt werden, das ist reine Geschmackssache, und auch ungetrimmt ist die Rasse ein hübscher Anblick. Wer seinen Hund aber auf einer Ausstellung präsentieren möchte, kommt ums Trimmen kaum herum: Ein völlig ungepflegter Flat kann im Ring schlechter bewertet werden.
Beim Trimmen geht es nicht um einen radikalen Kurzhaarschnitt, sondern darum, die natürliche Silhouette des Hundes herauszuarbeiten. Bearbeitet werden vor allem:
- Ohren: Lange Fransen und Haare hinter den Ohren werden mit der Effilierschere ausgedünnt und in Form gebracht, die Ohröffnungen freigeschnitten.
- Hals und Brust: Vom Kopf bis zum Brustbein wird das Fell V-förmig kurz gehalten, damit der lange Hals und die Vorbrust zur Geltung kommen.
- Pfoten und Läufe: Das Fell zwischen den Zehen und Ballen wird gekürzt, die Läufe sauber freigeschnitten. Das sieht nicht nur gepflegter aus, sondern macht eingetretene Dornen oder kleine Verletzungen leichter sichtbar.
- Rute: Hier wird nur wenig geschnitten – die Spitze wird begradigt und leicht spitz zulaufend angepasst. Vorsicht: An der Rute verschneidet man sich schnell; im Zweifel besser ganz lassen.