Die EWHB-Zuchtschau- Was das ist und wie so ein Tag abläuft

Auf einer EWHB-Zuchtschau können American Quarter Horses, American Paint Horses und Appaloosas vorgestellt und beurteilt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei Exterieur, Fundament, Bewegung und der Gesamteindruck des Pferdes.

Auf einer EWHB-Zuchtschau können American Quarter Horses, American Paint Horses und Appaloosas vorgestellt und beurteilt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei Exterieur, Fundament, Bewegung und der Gesamteindruck des Pferdes.

Je nach Alter, Geschlecht und Ziel der Vorstellung kann es bei der Zuchtschau zum Beispiel um die Eintragung ins Zuchtbuch, eine Stuteneintragung, eine Körung, eine Nachzuchtbewertung oder eine Fohlenschau gehen. Für Pferdebesitzer und Züchter ist das eine gute Möglichkeit, eine fundierte Rückmeldung durch erfahrene Zuchtrichter zu bekommen.

Was ist die EWHB?

Die EWHB steht für European Western Horse Breeders. Dahinter steckt ein staatlich anerkannter Zuchtverband, der sich um Westernpferde in Europa kümmert. Genauer gesagt geht es um Zucht, Registrierung und Förderung verschiedener Westernrassen wie dem American Quarter Horse, dem American Paint Horse und dem Appaloosa. Derzeit ist die EWHB auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland tätig, eine Erweiterung des geografischen Gebietes ist für die Zukunft geplant.

Ein zentrales Anliegen des Verbands: Zucht und Sport näher zusammenbringen. Die oft hervorragenden Leistungen im Westernreitsport sollen stärker in die züchterische Arbeit einfließen. Dafür kooperiert die EWHB seit Herbst 2020 mit der Ersten Westernreiter Union Deutschland e.V. (EWU).

Was macht die EWHB konkret?

Die EWHB bietet verschiedene Leistungen rund um Westernpferde an. Dazu gehören unter anderem:

  • Führung der Zuchtbücher (als Filialzuchtbücher zu den US-Ursprungsverbänden AQHA, APHA und ApHC)
  • Ausstellung von Equidenpässen inklusive Tierzuchtbescheinigung
  • Beurteilung von Pferden im Rahmen von Zuchtschauen
  • Durchführung von Leistungsprüfungen
  • Bereitstellung zuchtrelevanter Daten und Weiterbildungsangebote für Züchter

Ein bekanntes Beispiel für die aktive Förderung ist der Breeders Fund – ein Programm, das die Westernpferdezucht in Europa unterstützen und attraktiv halten soll.

Kurz gesagt: Die EWHB ist ein europäischer Zuchtverband rund um Westernpferde. Sie kümmert sich um Zucht, Registrierung und Förderung und unterstützt damit die Entwicklung von Rassen wie Quarter Horse, Paint Horse und Appaloosa. Wer sich mit Westernpferden beschäftigt, kommt an der EWHB schnell vorbei.

Was passiert bei einer Zuchtschau?

Bei einer Zuchtschau wird dein Pferd den Zuchtrichtern vorgestellt, angeschaut und beschrieben. Dabei geht es vor allem um zwei Bereiche: das Exterieur, also den Körperbau des Pferdes, und die Bewegung.

Für Züchter ist diese Einschätzung besonders wertvoll. Sie zeigt, welche Stärken ein Pferd mitbringt, wo es vielleicht Schwächen gibt und worauf man bei zukünftigen Anpaarungen achten sollte. Gleichzeitig sammelt der Verband wichtige Daten, die für die Zuchtwertschätzung und die Weiterentwicklung der Zucht genutzt werden.

Bei der EWHB können verschiedene Pferde vorgestellt werden:

  • Stuten können ins Zuchtbuch eingetragen werden.
  • Hengste können gekört werden.
  • Wallache können als Nachkommen im Rahmen von Leistungsprüfungen vorgestellt werden.
  • Fohlen werden bei Fohlenschauen bewertet und identifiziert.

Vorgestellt werden können dreijährige und ältere Hengste, Stuten und Wallache sowie Fohlen.

So läuft der Tag typischerweise ab

Natürlich kann der genaue Ablauf je nach Standort und Ausschreibung etwas variieren. Grundsätzlich läuft eine Zuchtschau aber meist ähnlich ab.

Zuerst erfolgt die Anmeldung vor Ort. Dort werden die Unterlagen kontrolliert und es wird geprüft, ob alles vollständig ist. Dazu gehören je nach Pferd zum Beispiel der Equidenpass, Nachweise zur Abstammung, die DNA-Typisierung oder Gentests.

Danach wird das Pferd vorbereitet und zur Bewertung vorgestellt. In der Regel schauen sich die Richter das Pferd zunächst im geschlossenen Stand an. Dabei geht es um Typ, Gebäude, Fundament und den Gesamteindruck. Anschließend wird das Pferd in der Bewegung beurteilt – im Schritt und Trab auf der Dreiecksbahn, bei Hengsten zusätzlich im Galopp beim Longieren auf beiden Händen. Hier achten die Richter darauf, wie korrekt, taktrein und harmonisch sich das Pferd bewegt. Für erwachsene Pferde kommt zusätzlich eine Pflasterprobe im Schritt und Trab dazu.

Bei Fohlen spielt zusätzlich die Identifikation eine wichtige Rolle. Sie werden entweder durch eine berechtigte Person der EWHB eindeutig identifiziert oder über eine DNA-Abstammungsprüfung zugeordnet.

Am Ende erhältst du eine fachliche Einschätzung deines Pferdes – konkret in Form eines Beschreibungsbogens mit allen linear erfassten Merkmalen. Und genau das macht die Zuchtschau so wertvoll: Du gehst nicht nur mit einem Ergebnis nach Hause, sondern mit einer fundierten Rückmeldung, die dir für deine weitere Zuchtplanung wirklich helfen kann.

Lineare Beschreibung statt einfacher Schulnote

Ein besonderer Punkt bei der EWHB ist die sogenannte lineare Beschreibung.

Dabei wird dein Pferd nicht einfach mit einer klassischen Gesamtnote bewertet. Stattdessen werden einzelne Merkmale genau beschrieben. Es geht also nicht darum, ob etwas „gut“ oder „schlecht“ ist, sondern darum, wie dein Pferd tatsächlich gebaut ist.

Konkret läuft das über eine siebenstufige Skala von 1 bis 7. Die beiden Enden stehen jeweils für die extreme Ausprägung eines Merkmals, und die „4“ signalisiert einen Zustand ohne Auffälligkeiten. Gerade bei den Korrektheitsmerkmalen gilt jede Abweichung von dieser „4“ als Abweichung von der Norm. Einige Merkmale – sogenannte kategorische Merkmale – werden über eine vierstufige Skala (1 bis 4) erfasst.

Diese Methode liefert ein deutlich genaueres Bild. Statt einer einzigen Zahl entsteht eine differenzierte Beschreibung des Pferdes. Gerade für die Zucht ist das hilfreich, weil man genauer erkennen kann, welche Eigenschaften ein Pferd mitbringt und welche Merkmale bei einer Anpaarung berücksichtigt werden sollten.

In anderen Tierzuchtbereichen wird dieses System schon lange genutzt. Auch in der Pferdezucht gewinnt die lineare Beschreibung immer mehr an Bedeutung.

Die Leistungsgruppen der EWHB

Aus der linearen Beschreibung heraus wird das Pferd anschließend in eine Leistungsgruppe eingestuft. Die EWHB arbeitet dabei mit fünf Leistungsgruppen:

Leistungsgruppe I – überragende Zuchtpferde mit viel Typ, harmonischem Exterieur ohne Mängel, korrektem Fundament und Bewegungsablauf sowie überdurchschnittlicher Bewegungsqualität.

Leistungsgruppe II – überdurchschnittliche Zuchtpferde mit gutem Typ, harmonischem Exterieur ohne deutliche Mängel, einem Fundament ohne deutliche Stellungsfehler sowie sehr guten und korrekten Bewegungen.

Leistungsgruppe III – Zuchtpferde, die in Typ, Exterieur, Fundament und Bewegung im Wesentlichen dem im Zuchtziel beschriebenen Rassestandard entsprechen.

Leistungsgruppe IV – Zuchtpferde, die in Typ, Exterieur, Fundament und Bewegung in einigen Punkten nicht dem Rassestandard entsprechen.

Leistungsgruppe V – wenig typvolle Zuchtpferde mit Mängeln im Exterieur, deutlichen Fundamentproblemen und/oder unterdurchschnittlicher Bewegungsqualität.

Wichtig ist dabei: Die Bewertung ist nicht nur ein „Bestanden“ oder „Nicht bestanden“. Sie soll vor allem helfen, das Pferd besser einzuordnen und daraus sinnvolle Schlüsse für die Zucht zu ziehen.

Ein konkretes Beispiel, warum diese Einstufung zählt: Bei der Körung eines Hengstes lautet das Ergebnis nur dann „gekört“, wenn der Hengst in Leistungsgruppe I oder II eingestuft wurde. Und auch Stuten, die ins Stutbuch I aufgenommen werden sollen, müssen auf einer Zuchtschau überdurchschnittlich – also in LG I oder II – bewertet worden sein. Die Leistungsgruppe entscheidet also ganz direkt darüber, welche Türen in der Zucht offenstehen.

Die Zuchtschau als Teil des Prüfungssystems

Die Zuchtschau ist nur ein Teil des gesamten Prüfungssystems der EWHB. Insgesamt gibt es drei Arten von Leistungsprüfungen:

Exterieurprüfung (inkl. Körung) – Hier geht es um Körperbau, Fundament und Bewegung. Das ist der Bereich, der bei der Zuchtschau im Mittelpunkt steht.

Feldprüfung – Bei der Feldprüfung (für Hengste, Stuten und Wallache) zeigt das Pferd unter dem Sattel, was es kann. Bewertet werden unter anderem Rittigkeit, Arbeitswillen, Athletik, Bewegung und Wesen. Geritten wird nach den Aufgaben für Reining- oder All-Around-Pferde, gerichtet wird nach dem EWU-Regelbuch.

Sportleistungsprüfung – Die Sportleistungsprüfung verbindet die Leistung im Westernreitsport direkt mit der Zucht. Erfolge bei EWU, NRHA, NCHA, NRCHA, NSBA, FEI oder DOKR können hier als Eigenleistung anerkannt werden. Genau hier wird sichtbar, wie eng Sport und Zucht miteinander verknüpft sein können.

Damit zeigt die EWHB deutlich, dass es ihr nicht nur um schönes Exterieur geht, sondern um funktionale, gesunde und leistungsfähige Westernpferde.

Quelle: European Western Horse Breeders (EWHB), Zuchtprogramme für American Quarter Horse, American Paint Horse und Appaloosa (Stand 2020).


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