Englischer Sattel, klassisches Turnieroutfit und ein Pferd mit raumgreifenden Bewegungen: Hunter under Saddle fällt auf einem Westernreitturnier sofort ins Auge. Obwohl die Prüfung ihren Ursprung im englischen Reitstil hat, gehört sie bei AQHA-turnieren fest zum Programm.
Doch was genau wird in der Hunter under Saddle bewertet? Muss das Pferd springen, wie sollte es sich bewegen und warum trägt der Reiter englische Turnierkleidung?
Was ist Hunter under Saddle?
Hunter under Saddle, häufig mit HUS abgekürzt, ist eine englisch gerittene Gruppenprüfung auf der ganzen Bahn. Mehrere Pferd-Reiter-Kombinationen befinden sich gleichzeitig in der Arena und werden in den Gangarten Schritt, Trab und Galopp vorgestellt.
Im Mittelpunkt steht das Pferd. Gesucht wird ein aufmerksames, williges und athletisches Pferd, dessen Bewegungen an einen geeigneten Jagd- beziehungsweise Arbeitshunter erinnern. Die Gänge sollen frei, fließend, raumgreifend und gleichmäßig sein.
Anders als der Name vielleicht vermuten lässt, werden in der Hunter under Saddle keine Hindernisse überwunden.
Hunter under Saddle ist keine reguläre Turnierdisziplin der EWU. In Deutschland begegnet man ihr vor allem auf AQHA-/DQHA-Turnieren sowie bei Shows weiterer Zucht- und Rasseverbände.
Wie läuft eine Hunter-under-Saddle-Prüfung ab?
Hunter under Saddle ist eine sogenannte Rail Class. Die Teilnehmer reiten gemeinsam auf dem Hufschlag beziehungsweise entlang der Bande und folgen den Anweisungen des Sprechers oder Richters.
Nach dem AQHA-Regelbuch werden die Pferde in folgenden Gangarten auf beiden Händen gezeigt:
- Walk – Schritt
- Trot – Trab
- Canter – Galopp
Der Richter kann zusätzlich verlangen, dass die Pferde ihre Tritte im Schritt, Trab oder Galopp verlängern. Dabei geht es nicht einfach um mehr Geschwindigkeit. Das Pferd soll sichtbar weiter ausgreifen ohne Takt, Balance oder Leichtigkeit zu verlieren.
Welche Kopfhaltung ist in der Hunter under Saddle erwünscht?
Nach den AQHA-Regeln soll sich das Genick ungefähr auf Höhe des Widerrists oder leicht darüber befinden. Dadurch soll das Pferd die Möglichkeit behalten, aus der Hinterhand nach vorne zu arbeiten.
Die Nase wird leicht vor oder an der Senkrechten getragen. Eine dauerhaft zu tiefe Kopfhaltung, ein deutliches Gehen hinter der Senkrechten oder eine sichtbar erzwungene Haltung entsprechen nicht dem gewünschten Bild.
Gesucht wird kein Pferd, das lediglich möglichst tief und langsam läuft. Entscheidend sind freie Vorwärtsbewegung, Balance und ein natürlicher, williger Gesamteindruck.
Welche Ausrüstung wird verwendet?
In der Hunter under Saddle wird das Pferd mit englischer Ausrüstung vorgestellt. Vorgeschrieben ist ein schwarzer oder brauner englischer Sattel im traditionellen Hunter- oder Springsattelstil.
Als Zäumung kommen nach dem AQHA-Regelbuch infrage:
- englische Wassertrense ohne Anzüge
- Kimberwick
- Pelham
- Kandarenzäumung mit zwei Zügeln
Zur Zäumung gehören ein Cavesson-Nasenriemen und ein schlichter Stirnriemen aus Leder. Gebissform, Stärke und Verschnallung müssen den aktuellen Vorgaben des jeweiligen Regelwerks entsprechen.
Die Satteldecke beziehungsweise Schabracke soll in Größe und Form zum Sattel passen, weiß oder naturfarben und ohne auffällige Verzierungen sein.
In der Hunter under Saddle sind Gamaschen, Bandagen und anderer Beinschutz nach den AQHA-Regeln nicht erlaubt. Auch Hilfszügel, Martingal und Schlaufzügel gehören nicht in diese Prüfung.
Welche Kleidung trägt man in der Hunter under Saddle?
Das Outfit orientiert sich an der klassischen englischen Hunter-Tradition. Dazu gehören:
- Turnierjacket in einer traditionellen Farbe wie Navy, Dunkelgrün, Grau, Schwarz oder Braun
- Reithose beziehungsweise Jodhpurs in gedeckten Farben wie Beige, Khaki, Hellgrau oder Rost
- hohe englische Reitstiefel oder schwarze beziehungsweise braune Jodhpurstiefeletten
- schwarze, dunkelblaue oder braune Reitkappe beziehungsweise ein entsprechend farbiger Reithelm
- ordentlich zusammengebundene, eingeflochtene oder unter einem Haarnetz gesicherte Haare.
Für Jugendliche ist in allen englischen AQHA-Klassen ein zugelassener Sicherheitshelm mit geschlossenem Kinnriemen vorgeschrieben. Erwachsenen Amateurreitern wird ein entsprechend geprüfter Schutzhelm empfohlen. Die konkrete Ausschreibung und das Regelwerk des Veranstalters sollten trotzdem immer zusätzlich geprüft werden.
Das gesamte Erscheinungsbild soll klassisch, gepflegt und unaufdringlich wirken. Anders als in manchen Allaround-Klassen stehen Glitzer und auffällige Verzierungen nicht im Vordergrund.
Wie werden Mähne und Schweif vorbereitet?
Das Einflechten der Mähne und des Schweifs im Hunterstil ist nach dem AQHA-Regelwerk erlaubt, aber nicht verpflichtend. Trotzdem gehört eine sauber vorbereitete Hunter-Mähne für viele Reiter zum klassischen Gesamtbild.
Die Mähne wird üblicherweise in viele kleine, gleichmäßige Zöpfe unterteilt und sauber am Mähnenkamm angelegt. Entscheidend sind eine gleichmäßige Einteilung, passende Abstände und ein ruhiger Gesamteindruck. Auch der Schopf wird ordentlich eingeflochten und passend zur Mähne gestaltet.
Der Schweif sollte sauber, gepflegt und möglichst voll wirken. Wird er eingeflochten oder ein Schweiftoupet verwendet, muss alles sicher befestigt und auf das Gesamtbild abgestimmt sein. Maßgeblich sind immer die Regeln des jeweiligen Verbandes und der Ausschreibung.
Ein gutes Grooming ersetzt keine korrekte Vorstellung. Es sorgt aber dafür, dass die Linien des Pferdes, die Bewegungen und das harmonische Gesamtbild nicht durch eine ungepflegte oder unruhige Optik abgelenkt werden.
Hunter under Saddle oder Hunt Seat Equitation: Wo liegt der Unterschied?
Die beiden Prüfungen werden mit ähnlicher englischer Ausrüstung geritten, bewerten aber unterschiedliche Schwerpunkte.
| Hunter under Saddle | Hunt Seat Equitation |
| Im Mittelpunkt steht das Pferd | Im Mittelpunkt steht der Reiter |
| Bewertet wird die Bewegungsqualität, | Bewertet werden Sitz, Hilfengebung, Kontrolle und die korrekte Ausführung eines Patterns |
| Rail Class ohne individuelles Pattern | In der Regel zunächst individuelles Pattern, teilweise anschließend Rail Work |
| Ziel ist das Bild eines geeigneten Hunterpferdes | Ziel ist eine möglichst korrekte und effektive Vorstellung durch den Reiter |
Ein sehr gutes Hunter-under-Saddle-Pferd gewinnt daher nicht automatisch eine Hunt Seat Equitation. Umgekehrt kann ein sehr korrekt reitender Teilnehmer in der Equitation überzeugen, auch wenn sein Pferd nicht die ausdrucksstärksten Hunterbewegungen besitzt.
Fazit: Fließende Bewegung und ein harmonisches Gesamtbild
Hunter under Saddle verbindet klassische englische Turnieroptik mit der Atmosphäre einer rassebezogenen Westernshow. Bewertet wird ein aufmerksames und williges Pferd, das sich frei, fließend, ausbalanciert und raumgreifend bewegt.
Die Prüfung wird ohne Sprünge in der Gruppe geritten. Schritt, Trab und Galopp werden auf beiden Händen gezeigt, hinzu können Verlängerungen und ein Hand Gallop kommen. Das klassische Outfit, die englische Ausrüstung und eine ordentlich vorbereitete Hunter-Mähne runden das Gesamtbild ab.
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Häufige Fragen zu Hunter under Saddle
Muss das Pferd in der Hunter under Saddle springen?
Nein. Hunter under Saddle ist eine Prüfung auf der Ebene. Die Pferde werden unter dem Sattel in Schritt, Trab und Galopp vorgestellt, müssen aber keine Hindernisse überwinden.
Wird in Hunter under Saddle das Pferd oder der Reiter bewertet?
Im Mittelpunkt steht das Pferd. Bewertet werden unter anderem Bewegungsqualität, Gleichmäßigkeit, Leistungsbereitschaft, Kondition und Exterieur. Der Reiter wird in der Hunt Seat Equitation gezielt nach Sitz und Hilfengebung bewertet.
Muss die Mähne eingeflochten sein?
Nein. Das Einflechten von Mähne und Schweif im Hunterstil ist nach den AQHA-Regeln erlaubt, aber nicht verpflichtend. Eine gleichmäßig und sauber vorbereitete Hunter-Mähne unterstützt jedoch das klassische Erscheinungsbild.
Sind Gamaschen in Hunter under Saddle erlaubt?
Nach dem AQHA-Regelwerk sind Gamaschen, Bandagen und anderer Beinschutz in Hunter under Saddle nicht erlaubt.
Welche Gangarten werden verlangt?
Die Pferde werden im Schritt, Trab und Galopp auf beiden Händen gezeigt. Zusätzlich kann der Richter Verlängerungen und einen Hand Gallop verlangen.
Ist Hunter under Saddle eine EWU-Disziplin?
Nein. Hunter under Saddle gehört nicht zu den regulären EWU-Turnierdisziplinen. In Deutschland findet man die Prüfung vor allem auf AQHA-/DQHA-Turnieren und bei Shows weiterer Rasseverbände.
Quellen und Stand: AQHA Rulebook 2026, insbesondere SHW310–320 und SHW600–604, sowie die offizielle AQHA-Übersicht Hunter Under Saddle