Jungpferde Trail: Was die EWU-Klasse fordert und wie sie bewertet wird

Der Jungpferde Trail ist eine der vier Disziplinen im Jungpferdeprogramm der Ersten Westernreiter Union (EWU), neben Basis, Reining und Ranch Riding. Er richtet sich an vier- und fünfjährige Pferde und hat einen klaren Zweck: das junge Pferd schonend an den Turniersport heranzuführen. Wer verstehen möchte, was diese Prüfung von einem regulären Trail unterscheidet und worauf die Richter achten, findet hier einen kompakten Überblick.

Wozu es die Jungpferde-Prüfungen gibt

Die Jungpferdeprüfungen sind Einstiegsklassen. Sie dienen dazu, junge Pferde behutsam an das Turniergeschehen zu gewöhnen, statt sie sofort mit den Anforderungen der regulären Klassen zu konfrontieren. Bewertet wird die exakte Ausführung der Manöver, der Grad, zu dem das Pferd die Ausbildungsskala altersgerecht erfüllt, sowie die Korrektheit und Qualität der Grundgangarten. Am Ende jedes Rittes steht eine Wertnote für den Gesamteindruck.

Genau daraus ergibt sich der Unterschied zum Junior-Trail: Der Jungpferde-Trail unterscheidet sich in Anforderungen und Schwierigkeitsgrad, weil er dem Einstieg dient und nicht dem sportlichen Vergleich auf höherem Niveau. Die Aufgaben sind so angelegt, dass ein junges, noch in der Ausbildung stehendes Pferd sie bewältigen kann, ohne überfordert zu werden.

Welche Pferde und Reiter zugelassen sind

Für den Jungpferde-Trail sind ausschließlich vier- und fünfjährige Pferde aller Rassen zugelassen, die nicht jünger als vierjährig unter dem Sattel vorgestellt wurden. Der Veranstalter schreibt die Prüfungen dabei getrennt für vier- und fünfjährige Pferde aus. Unabhängig von der Zahl der Nennungen muss die Prüfung als reguläre Prüfung durchgeführt werden, und Wertung sowie Siegerehrung erfolgen getrennt nach Altersklasse.

Auf der Reiterseite sind die Leistungsklassen LK 3 A/B, LK 2 A/B und LK 1 A/B zugelassen. Auch in den Jungpferdeprüfungen können Reiter Leistungspunkte erreichen. Bei der Ausrüstung gilt für die Jungpferde nach § 270: Bandagen und Gamaschen sind in allen Jungpferdeprüfungen erlaubt, als Zäumung während der Prüfung ausschließlich Snaffle-Bit und Hackamore.

Diese Hindernisse und Manöver können abgefragt werden

Der Jungpferde-Trail arbeitet mit einem überschaubaren, altersgerecht abgestuften Aufgabenkatalog. Folgende Manöver und Hindernisse können gefordert werden:

  • Tor: das Öffnen, Durchreiten und Schließen eines Tores.
  • Schritt- und Trabstangen: ab fünfjährig kommen zusätzlich Galoppstangen hinzu.
  • Back up: das Rückwärtsrichten, häufig durch eine vorgegebene Figur.
  • Box: das Ein- und Ausreiten sowie Positionieren in einem abgesteckten Viereck.
  • Schlangenlinien und Slalom: das Umreiten von Markierungen in gleichmäßiger Linienführung.
  • Übergänge und Hufschlagfiguren: Wechsel zwischen den Gangarten und das korrekte Reiten vorgegebener Linien.

Die Staffelung nach Alter zeigt den schonenden Aufbau: Vierjährige begegnen Stangen im Schritt und Trab, erst mit fünf Jahren kommen Galoppstangen ins Spiel. So wächst die Anforderung mit dem Ausbildungsstand des Pferdes.

Wie bewertet wird

Zentral ist, dass die Grundgangarten nicht separat bewertet werden. Ihre Qualität fließt in jedes einzelne Manöver und in den Gesamteindruck ein und kann die Bewertung positiv oder negativ beeinflussen. Damit liegt das Gewicht stärker auf der altersentsprechenden Erfüllung der Ausbildung sowie auf Rittigkeit und Reiteigenschaften des jungen Pferdes.

Die Ausbildungsskala bildet dabei das Rückgrat der Beurteilung. Sie reicht von Takt über Losgelassenheit, Nachgiebigkeit, Aktivierung der Hinterhand und Geraderichtung bis zur absoluten Durchlässigkeit. In der Wertnotenlogik der Jungpferdeprüfungen entspricht ein sauberer Takt der Note 6, während die höheren Stufen der Skala die Noten bis 10 markieren. Alles darunter, von genügend bis nicht ausgeführt, deckt die Noten 5 bis 0 ab.

Die Jungpferde-Notenskala reicht von 0 bis 10 und ist mit klaren Bezeichnungen hinterlegt: 10 steht für „ausgezeichnet“, 7 für „ziemlich gut“ im Sinne von korrekt geritten, 4 für „mangelhaft“ bei einem mittleren Fehler und 0 für „nicht ausgeführt“. Ein Ritt setzt sich aus neun Manöverbewertungen plus dem Gesamteindruck zusammen. In den Gesamteindruck fließen die Willigkeit des Pferdes, die Qualität der Grundgangarten und die altersgerechte Erfüllung der Ausbildungsskala ein.

Wann es die Note 0 gibt

Die EWU definiert nach § 271 klar, wann ein Manöver oder ein ganzer Ritt mit 0 bewertet wird. Pro Manöver führen gravierende Fehler oder das Auslassen eines Manövers zur 0. Für den gesamten Ritt gilt die 0 unter anderem, wenn das Pattern nicht mehr erkennbar ist, eine Gangart komplett ausgelassen wird, der Reiter aufgibt oder die markierte Arena verlassen wird, außerdem bei Sanktionen nach § 155 und Disqualifikation nach § 154.

Einordnung für den Einstieg

Der Jungpferde Trail bündelt die Grundgedanken des Jungpferdeprogramms in einer praxisnahen Aufgabenform: Er prüft, ob ein junges Pferd Hindernisse ruhig, taktsicher und in altersgerechter Ausbildung bewältigt, ohne den Anspruch einer fortgeschrittenen Klasse. Für Reiterinnen und Reiter, die mit einem vier- oder fünfjährigen Pferd erste Turniererfahrung sammeln möchten, ist er damit ein durchdachter Rahmen, der Ausbildung und Wettbewerb miteinander verbindet.

Quellen und Stand

Die fachlichen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf die EWU-Schulungsunterlage „Jungpferde-Prüfungen“ (bearbeitet 02/2026 ) sowie auf das offizielle Regelwerk der Ersten Westernreiter Union Deutschland e.V. Die genannten Paragrafen zu Ausrüstung (§ 270), zur Bewertung mit der Note 0 (§ 271) sowie zu Disqualifikation und Sanktionen (§ 154, § 155) sind im EWU-Regelbuch 2026 festgehalten, das im Downloadbereich der EWU verfügbar ist: ewu-bund.com. Die Jungpferdeprüfungen werden ausschließlich von der EWU angeboten und gliedern sich in die vier Disziplinen Basis, Trail, Reining und Ranch Riding, wobei die Ranch Riding seit 2022 als vierte Disziplin dazukam. Da das EWU-Regelwerk laufend aktualisiert wird, gelten für Nennung und Teilnahme stets die Bedingungen der jeweils aktuellen Ausschreibung und Turnierordnung.




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